Du hast viel geschafft. Du kümmerst dich um andere, bewältigst deinen Alltag, arbeitest, organisierst, hältst durch und meisterst auch schwierige Zeiten.
Und trotzdem ist da dieses Gefühl:
„Es reicht nicht.“
Kaum ist eine Aufgabe erledigt, wartet auch schon die nächste. Kaum hast du etwas erreicht, denkst du darüber nach, was noch besser hätte laufen können.
Vielleicht fragst du dich:
„Warum fühle ich mich trotz meiner Erfolge nicht gut genug?„
Weiterlesen: Warum fühle ich mich nie gut genug, obwohl ich so viel leiste?Dieses Gefühl kann eng mit unserem Selbstwertgefühl zusammenhängen. Besonders dann, wenn wir unseren eigenen Wert unbewusst daran knüpfen, wie viel wir leisten, erreichen oder für andere tun.
Wenn Leistung zum Maßstab für den eigenen Wert wird.
Wir leben in einer Welt, in der Leistung häufig mit Anerkennung verbunden ist.
Gute Leistungen werden gelobt. Beruflicher Erfolg bringt Anerkennung. Zuverlässigkeit wird geschätzt. Wenn wir viel schaffen und für andere da sind, fühlen wir uns gebraucht.
So kann sich unbemerkt die innere Überzeugung entwickeln:
„Ich bin wertvoll, wenn ich etwas leiste.“
Das Problem: Leistung hat kein endgültiges Ziel. Es gibt immer noch etwas zu tun. Noch ein Projekt. Noch eine Verbesserung. Noch ein Ziel.
Wenn dein Selbstwert davon abhängig wird, wie viel du schaffst, kann ein Kreislauf entstehen:
Leisten – Anerkennung bekommen – kurz zufrieden sein – neue Anforderungen – wieder leisten müssen.
Und irgendwann reicht selbst viel Leistung nicht mehr aus, um sich wirklich gut mit sich selbst zu fühlen.
Warum wir unsere Erfolge so schnell vergessen
Unser Gehirn richtet seine Aufmerksamkeit besonders leicht auf das, was nicht funktioniert, was verbessert werden muss oder möglicherweise problematisch werden könnte.
Im Alltag kann das dazu führen, dass wir einen Fehler stärker wahrnehmen als zehn Dinge, die gut gelaufen sind.
Du hältst beispielsweise eine Präsentation und bekommst anschließend viel positives Feedback. Doch eine Person merkt an, dass du an einer Stelle etwas unsicher gewirkt hast.
Was bleibt in deinem Kopf hängen?
„Ich war unsicher.“
Nicht:
„Ich habe das gut gemacht.“
Das bedeutet nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt. Es kann vielmehr bedeuten, dass du gelernt hast, deinen Blick stärker auf Defizite als auf deine vorhandenen Ressourcen zu richten.
Vielleicht bist du viel stärker, als du denkst
Mentale Stärke bedeutet nicht, immer selbstbewusst zu sein.
Sie bedeutet auch nicht, niemals zu zweifeln oder schwierige Gefühle zu haben.
Mentale Stärke zeigt sich häufig gerade darin, dass wir trotz Unsicherheit weitergehen.
Vielleicht hast du schon Situationen bewältigt, von denen du vorher dachtest:
„Das schaffe ich niemals.“
Vielleicht hast du Entscheidungen getroffen, obwohl du Angst hattest.
Vielleicht bist du nach Rückschlägen wieder aufgestanden.
Vielleicht hast du immer wieder Lösungen gefunden, obwohl du erschöpft warst.
Das sind Ressourcen.
Und genau diese Ressourcen übersehen wir häufig, wenn wir unseren Blick ausschließlich darauf richten, was noch fehlt.
Deine Stärken müssen nicht außergewöhnlich sein
Wenn wir über persönliche Stärken sprechen, denken wir schnell an Eigenschaften wie Durchsetzungsvermögen, Selbstbewusstsein oder bessere Talente.
Doch Stärke kann viel leiser sein.
Vielleicht bist du geduldig.
Vielleicht kannst du gut zuhören.
Vielleicht bist du kreativ.
Vielleicht kannst du dich gut in andere Menschen hineinversetzen.
Vielleicht findest du auch in schwierigen Situationen Lösungen.
Vielleicht hast du Durchhaltevermögen.
Vielleicht kannst du Verantwortung übernehmen.
Oder vielleicht besitzt du die Fähigkeit, nach einem Rückschlag wieder neu anzufangen.
Stärken müssen nicht spektakulär sein, um wertvoll zu sein.
Manchmal sind es gerade die Eigenschaften, die für uns selbstverständlich geworden sind, die andere Menschen an uns besonders schätzen.
Eine kleine Übung: Dein persönliches Stärkenarchiv
Nimm dir heute ein paar Minuten Zeit und beantworte diese Fragen:
- Was habe ich in meinem Leben bereits bewältigt, obwohl es schwierig war?
- Welche Eigenschaften haben mir dabei geholfen?
- Was schätzen andere Menschen an mir?
- Welche Herausforderungen habe ich in den letzten Jahren gemeistert?
- Was kann ich heute, was mir früher schwergefallen ist?
Und dann kommt eine besonders wichtige Frage:
Was würde ich einer guten Freundin sagen, wenn sie genau das erreicht hätte, was ich erreicht habe?
Würdest du ihr sagen:
„Das war eigentlich nichts Besonderes. Du hättest es besser machen können.“
Wahrscheinlich nicht.
Du würdest ihr vermutlich sagen, dass die stolz auf sich selbst sein darf.
Vielleicht darfst du diese Worte auch einmal dir selbst schenken.
Selbstwert entsteht nicht erst durch die nächste Leistung
Ein wichtiger Schritt zu mehr Selbstwert kann darin liegen zwischen „Was leiste ich?“ und „Wer bin ich?“ zu unterscheiden.
Du bist nicht nur deine Produktivität.
Nicht deine beruflichen Erfolge.
Nicht dein Aussehen.
Nicht deine Rolle als Mutter, Partnerin, Freundin oder Kollegin.
Und auch nicht die Summer deiner Fehler.
Dein Wert als Mensch muss nicht jeden Tag neu verdient werden.
Leistung darf etwas sein, das du tust.
Sie muss nicht bestimmen, was du bist.
Mentale Stärke bedeutet auch, die eigenen Ressourcen wahrzunehmen
Resilienz – also psychische Widerstandskraft – entsteht nicht dadurch, dass wir schwierige Zeiten vermeiden können.
Wir können nicht verhindern, dass das Leben uns mit Veränderungen, Enttäuschungen, Krisen und Rückschlagen konfrontiert.
Aber wir können lernen, bewusster wahrzunehmen, was uns trägt und welche Ressourcen bereits in uns vorhanden sind.
Dazu gehören beispielsweise persönliche Stärke, soziale Beziehungen, Erfahrungen, Werte, Fähigkeiten, Selbstmitgefühl und die Fähigkeit, neue Perspektiven einzunehmen.
Manchmal müssen wie diese Ressourcen nicht neu erschaffen.
Wir müssen sie nur wieder sichtbar machen.
Du musst nicht mehr leisten, um dich besser zu fühlen
Vielleicht ist die nächste Entwicklungsaufgabe deshalb nicht:
„Wie kann ich noch mehr schaffen?„
Sondern:
„Wie kann ich erkennen, was bereits in mir steckt?“
Vielleicht geht es weniger darum, noch stärker, noch erfolgreicher oder noch perfekter zu werden.
Vielleicht geht es darum, deine eigene Stärke wieder wahrzunehmen.
Dir selbst Anerkennung zu geben.
Deine Grenzen ernst zu nehmen.
Aus Fehlern zu lernen, ohne dich dafür abzuwerten.
Und dir immer wieder bewusst zu machen:
Ich muss nicht perfekt sein, um wertvoll zu sein.
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Denn mentale Stärke bedeutet nicht, immer stark sein zu müssen. Sie bedeutet zu wissen, was dich trägt, wenn es schwierig wird.
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Lies auch gerne meinen Artikel: Warum bin ich so unzufrieden mit mir? Wenn Selbstkritik den Blick auf sich selbst verändert.